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451jähriges Baudenkmal nach kompletter Rekonstruktion in nur neun Monaten wieder bezugsfertig
Das letzte Gerüst ist abgebaut. Jetzt hat der historische Markt in Pirna ein Kleinod mehr. Nach nur neun Monaten Bauzeit ist das 1553 errichtete Bürgerhaus Schössergasse 11 nahezu fertig saniert. „Die Feinheiten sind fast abgeschlossen“, sagt Sven Vater vom Investor GEVA Immobilien GmbH. Bis Februar sollen die sieben Wohnungen und drei Gewerbeeinheiten in dem städtebaulichen bedeutenden Wohnhaus bezugsfertig sein.
Das als Baudenkmal eingestufte dreigeschossige Renaissance-Gebäude ist zwar nicht das älteste in der Stadt, war für Bauherren, Architekten und Handwerker dennoch eine große Herausforderung. „Man muss behutsam mit der alten Bausubstanz umgehen und trotzdem die heutigen Normen erfüllen“, so Vater. Beides unter ein Dach zu bekommen, verursacht vor allem „extrem hohe Kosten“. Der finanzielle Mehraufwand wird durch städtebauliche Fördermittel ausgeglichen. Aber gerade die Aufgabe, alte Bauwerke wieder nutzbar zu machen, reizen Vater und seinen Kompagnon Mike Gerbig. „Wir bewegen uns vorrangig in der Altstadt“. Dabei arbeiten sie „wirklich gut“ mit Stadt und Denkmalschutzbehörden zusammen, „weil uns der Marktplatz wichtig ist“. Uralte Gebäude üben auf dem Immobilien-Fachmann einen Reiz aus. Jedes Haus sei anders und daher immer wieder neu. Was Vater in der Schössergasse 11 vorfand, überraschte ihn und die Bauexperten trotz aller Erfahrungen aber doch: „Das Haus war sowieso in einem sehr schlechten Zustand, und die Flut gab ihm den Rest.“ Es war hochgradig einsturzgefährdet: Balken waren so stark verfault, dass über Nacht Decken einbrachen, ohne dass jemand daran arbeitete. Schiefe Fußböden hätten bereits bei der ersten Besichtigung angedeutet, dass etwas nicht stimmt. „Aber wir hatten gehofft, dass einfach nicht ganz gerade gebaut worden war.“ Doch diese Annahme stellte sich als falsch heraus. Vater wird es immer noch mulmig, wenn er von den Menschen erzählt, die bis kurz vor Baubeginn dort lebten. Die neuen Bewohner beziehen aber ein Heim, das hinter der alten Fassade, unter Holzbalkendecken und auf Dielen modernster Anforderungen genügt. Das gesamte Dach wurde nach altem Vorbild neu aufgebaut, der Keller mit seinen Tonnengewölben aus Sandstein ist komplett saniert. Das Projekt Schössergasse 11 ist für Vater erfolgreich abgeschlossen. Dennoch spricht er vom hohen unternehmerischen Risiko bei den alten Häusern. Die heutige Situation könne nicht mehr mit der vor zehn Jahren verglichen werden, als mit wenig Wagnis im Immobiliengeschäft viel Geld zu verdienen war. Trotzdem hat seine Firma kaum Grund zum Klagen: Bis auf zwei sind alle Wohnungen verkauft, die gewerblichen Verträge mit einem Schuhhändler, einer Nähstube und einem Frauenarzt sind unter Dach und Fach. In das alte Gemäuer zieht neues Leben ein.