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Förderung für Teufelserker-Komplex soll auf 2,7 Millionen Euro aufgestockt werden / Fertigstellung Anfang April
Anfang April wird der Teufelserkerkomplex übergeben. Der Stadtrat soll dem Bau in der Endphase noch einmal mit einem kräftigen Zuschuss auf die Sprünge helfen.
Von Peter Hilbert
Ein Stöhnen ging kürzlich durch Pirnaer Ratsreihen, als es hieß: Für den Teufelserkerkomplex auf der Oberen Burgstraße müssen weitere Fördermittel zugeschossen werden. Immerhin sind in die Sanierung des Teufelserkerhauses, den Neubau des Kernschen Hauses und die Rekonstruktion des Gotischen Hauses bereits knapp 2,5 Millionen Euro Zuschüsse geflossen. Als es dann gar noch hieß, der Nachschlag hänge mit flutbedingten Schäden zusammen, mussten einige Abgeordnete um ihre Fassung ringen.
„Das Teufelserkerhaus stand doch bei der Flut überhaupt nicht unter Wasser. Jetzt wird alles nur noch dort hinein gepulvert“ erregte sich ein Mann aus der CDU-Gilde gegenüber der SZ. Erst in einem zweiten Anlauf mit der nötigen argumentativen Schützenhilfe passierte die Vorlage den Bauausschuss. Nun soll der Stadtrat am kommenden Dienstag seinen Segen geben, dass weitere 220.000 Euro in das Großprojekt fließen.
Amtschef: Bauträger wird nicht bevorteilt
„Mit Fluthilfe hat das nichts zu tun“, stellt Baubürgermeister Eckhard Lang (CDU) klar. Dieses Vorhaben des Pirnaer Bauträgers GEVA werde ganz normal entsprechend der Vorschrift über Städtebauförderung bezuschusst. Der Grund seien erhöhte Aufwendungen beim Bau, die sich in letzter Zeit ergeben hätten. Zudem hätte die Stadt nicht einmal die höchstmöglichen Fördermittel fließen lassen, sondern sich eher zurück gehalten.
Denkmalamtschef Georg Schmitt pflichtet seinem Chef eifrig bei. Von einer Bevorteilung der GEVA gegenüber anderen Bauherren könne keine Rede sein. „Eine Ungleichbehandlung bei der Altstadtsanierung gibt es mit Sicherheit nicht“, versichert er. „Jeder Bauherr, der einen vernünftigen Antrag stellt, kann von uns einen Zuschuss bekommen.“ Auch dieses Jahr stehen wieder 4,5 Millionen Euro Zuschüsse für die Altstadtsanierung zur Verfügung. „Unser Problem ist, dass wir Bauherren suchen.“
Ohne Sparkasse wäre nichts geworden
Die weitere Finanzspritze für den Teufelserkerkomplex hält Schmitt für völlig berechtigt. Unter anderem wegen immenser Gründungsprobleme lange die Stadt für dieses Projekt noch einmal in die Fördermittelschatulle. „Außerdem ist uns das Vorhaben so viel Wert, dass wir nicht zulassen, dass es schief geht“, macht Schmitt seinen Ängsten Luft. Die dürfte Firmenchef Sven Vater auch gehabt haben, als er bei diesem Großprojekt so manche Überraschung erlebte. Der 29-Jährige hatte mit seinem 32-jährigen Partner Mike Gerbig das Objekt im Frühjahr 2001 für 1,28 Millionen Euro gekauft. Die ersten beiden Buchstaben ihrer Nachnamen prangen als Firmenname GEVA auf den Bauschildern. Der vorherige Besitzer des Teufelerker-Komplexes, Bernhard Biebl aus München, war an der Sanierung gescheitert. Die beiden jungen Männer gingen mit ihrer Firma den mutigen Schritt, das Acht-Millionen-Euro-Projekt in Angriff zu nehmen. „Ohne Unterstützung der Sparkasse wäre das aber nie geworden“, lobt Vater die Hausbank.
„Herr Biebl hat uns gelinkt. Viele Arbeiten – wie Verpressungen – sollten angeblich passiert sein und waren es aber nicht. Deshalb ist es für uns schon kompliziert gewesen“, erinnert er sich. Vater rechnet vor, dass die Zuschüsse nur helfen würden, die enormen Aufwendungen in einen vernünftigen wirtschaftlichen Rahmen zu bringen. Würden alle Ausgaben – von den Notar – bis zu den Baukosten – zusammengerechnet, stehe unterm Strich die Summe 3.000 Euro pro Quadratmeter. Verkauft würden die Wohnungen und Gewerberäume aber für 1.600 Euro je Quadratmeter. Nur über Denkmalfördermittel sei es möglich, die Differenz halbwegs auszugleichen.
Nachbarin stinksauer über Baulärm
Deshalb ist laut Vater jetzt noch einmal ein Nachschlag beantragt worden. Dafür gebe es mehrere Gründe. Durch starken Regen und Hochwasser habe sich der Grundwasserspiegel im Gotischen Haus drastisch erhöht. Der Keller liegt fünf Meter unterm Straßenniveau und stehe noch jetzt unter Wasser. Deshalb müsse zur Abdichtung mit Spritzbeton eine so genannte weiße Wanne angelegt werden. Zudem sei das dortige Treppenhaus aus Sandstein zusammengefallen, musste neu gebaut werden. Ähnliche Probleme gab es mit dem Mauerwerk im Gotischen Haus, um nur einiges zu nennen. Unterm Strich hätten sich die Baukosten um 376.000 Euro erhöht. Derzeit sind Maler, Boden- und Fliesenleger zugange. Zu Hochzeiten arbeiteten bis zu 120 Bauleute im GEVA-Auftrag. Was mitunter für Verdruss bei Nachbarin Elvira Koll sorgte, die die Pension am Schlossberg betreibt. „Seitdem gebaut wird, verging kein Tag ohne Ärger“, macht sie sich Luft. Nächtlicher Baulärm kurz vor Mitternacht oder eine angefahrene Sandsteinmauer seien nur zwei Beispiele. In beiden Fällen stellte sie Anzeige bei der Polizei. GEVA-Chef Vater versucht zu beschwichtigen: „Ich versuche Frau Koll ordentlich und sauber klar zu kommen und auf ihre Hinweise zu reagieren.“
Vater richtet jetzt den Blick nach vorn. Anfang April soll im Teufelserkerkomplex Einzug gefeiert werden. Entstanden sind 36 Wohnungen und fünf Gewerbeeinheiten. Öffnen werden dort unter anderem eine kubanische Bar und ein italienisches Restaurant. Nur eine Wohnung und ein Gewerbekomplex seien noch nicht verkauft. Was wäre die Konsequenz, wenn der Stadtrat am Dienstag dem 220.000-Euro-Zuschuss nicht zustimmt? Vater: „Dann müssten wir uns ernsthaft Gedanken machen.“