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Pirna: WGP will Altstadt-Grundstücke an bewährten Bauträger verkaufen
Von Bernd Lichtenberger
Die Lange Straße in Pirnas Altstadt trägt ihren Namen zu Recht. Sie ist mit Abstand die längste Straße im historischen Stadtkern. Aber nicht deswegen hat sie ein Image-Problem. Wer vom Elbeparkplatz durch die Badergasse in Richtung Marktplatz geht, stößt zwar an der Ecke auf einen sanierten Altbau. Aber bei vielen anderen Gebäuden der Straßenfront bröckelt seit Jahren nicht nur der Putz. Kein Wunder, die meisten stehen längst leer. Einige davon gehören der Städtischen Wohnungsgesellschaft Pirna (WGP) mbH, die sie jetzt an die GEVA, ein Pirnaer Immobilienunternehmen, verkaufen will.
„Bau- und Kunstschlosserei“ steht auf einer großen Metalltafel neben dem Hauseingang Lange Straße 30. Aber nicht nur der Rost auf dem Metall sagt deutlich, dass Handwerk hier schon lange keinen goldenen Boden mehr hat. Dabei erzählt das Firmenschild von der jüngeren Hausgeschichte. „Wer genau hinsieht kann noch Renaissanceformen erkennen, die später barock überbaut wurden“, erklärt Sören Sander von der WGP. Und genau darin liegt das Problem oder die Chance. Es braucht Mut, Fantasie und jede Menge Geld, aus dem Gebäude und den Nachbarhäusern attraktiven Wohnraum zu machen.
Die GEVA hat den Mut. Sie war eines von drei Unternehmen, die nach einer bundesweiten Ausschreibung ihr Interesse bekundete, die Häuser Niedere Burgstraße 3, Lange Straße 30 bis 33 und Töpfergasse 1 im Paket zu kaufen und zu sanieren. Dass sie Letzteres kann, hat sie nicht nur bei den Gebäuden mit dem Teufelserker an der Oberen Burgstraße bewiesen.
Auch die WGP, ein Tochterunternehmen der Stadt, hat schon mit Erfolg in der Altstadt saniert. Zehn Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in die Gebäudesanierung gesteckt. Jüngstes Beispiel ist besagtes Haus 38 a Lange Straße / Ecke Badergasse. Trotzdem, diesmal spielt die WGP nur den Makler. „Als Unternehmer befinden wir uns zur Zeit in einer Konsolidierungsphase, in der wir nichts sanieren, sondern uns auf die Bewirtschaftung unseres Gebäudebestandes konzentrieren“, begründet WGP –Geschäftsführer Matthias Armbruster. Deshalb habe diesmal der Auftrag der Stadt lediglich gelautet, die Grundstücke, allesamt im so genannten Quartier 1 zwischen Lange Straße und Am Kirchplatz gelegen, von den verschiedenen Eigentümern „einzusammeln“ und der einheitlichen städtebaulichen Entwicklung wegen im Paket an einen geeigneten Investor zu verkaufen. Konzept und Kaufpreisangebot sprachen nach Ansicht des Aufsichtsrates für die GEVA. „Wir hoffen, dass wir die Kaufverhandlungen noch in diesem Jahr abschließen können“, fügt Armbruster hinzu.
Dass im Quartier 1 nur mit großem Aufwand saniert werden kann, ist kein Geheimnis. Deswegen hat der Stadtrat schon vor geraumer Zeit beschlossen, die Sanierung dieser Häuser mit Städtebaufördermitteln zu unterstützen. „Das Quartier muss funktionieren, weil es zur Innenstadt gehört. Außerdem braucht die Lange Straße eine Aufwertung. Das bringt Leben in diesen Bereich“, formuliert der Geschäftsführer die Aufgabe und hofft, dass die Sanierung durch die GEVA auch bei den anderen Grundstückseigentümern einen Stein ins rollen bringt.
Ganz bei Null muss die GEVA ohnehin nicht anfangen. Den Anfang haben schon zu DDR-Zeiten die Eigentümer des heutigen Romantikhotels Deutsches Haus Am Kirchplatz / Ecke Niedere Burgstraße gemacht. Nach der Wende kauften sie benachbarte Gebäude, sanierten sie und erweiterten so ihr Hotel. „Nicht zuletzt dadurch gibt es im Südosten der Altstadt jetzt schon eine Art Kneipenviertel“, erzählt Sören Sander und empfiehlt einen Blick in den Hof, der im Sommer als Biergarten dient. Noch lebt dieser kleine Hof vom Kontrast. Hier saubere Fassaden und gepflegtes Grün, dort Verfall und Unkraut. „Das könnte eine Augenweide werden“, ist Sander zuversichtlich.
Das schmiedeeiserne Fenstergitter mit dem Schlüsselmännlein im Erdgeschoss des Hauses Lange Straße 31 erinnert an jene Zeit, in der hier eine Bau- und Kunstschlosserei zu Hause war. Aber die Geschichte des Gebäudes und der Nachbarhäuser reicht viel weiter zurück. Umso dringender ist der Sanierungsbedarf. Was machbar und was noch zu tun ist, verrät ein Blick in den Biergarten hinter dem Deutschen Haus.